Bericht der Badischen Zeitung

Neujahrsempfang Weingarten 2017

NEUJAHRSEMPFANG

Was bringt 2017 Weingarten und der Welt?

Beim Neujahrsempfang wurde auch weit über den eigenen Stadtteil hinausgeschaut

foto-salomonWohnzimmeratmosphäre beim Neujahrsempfang, dem Einstieg zum 50-Jahre-Jubiläum: Patrick Melcher (rechts) überreichte Oberbürgermeister Dieter Salomon Wein von 2002, dem Jahr seines Amtsantritts. Foto: Bamberger

WEINGARTEN. Es ging ungewöhnlich viel um Weltpolitik beim Neujahrsempfang der beiden christlichen Kirchengemeinden am Donnerstagabend im Mehrgenerationenhaus EBW – am Vorabend der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump lag große Verunsicherung in der Luft. Für Weingarten wird 2017 ohnehin besonders: Der Stadtteil feiert sein 50-jähriges Bestehen, der Neujahrsempfang war der Einstieg. Rund 200 Gäste kamen. Darunter war auch Oberbürgermeister Dieter Salomon.Wohnzimmeratmosphäre beim Neujahrsempfang, dem Einstieg zum 50-Jahre-Jubiläum: Patrick Melcher (rechts) überreichte Oberbürgermeister Dieter Salomon Wein von 2002, dem Jahr seines Amtsantritts. Foto: Bamberger

Lebendig, kritisch, vielseitig: So ist die Stimmung während des zweieinhalbstündigen Programms – passend zu Weingarten. Gemischt ist auch das Publikum: Unter anderem ist Magdalena Szablewska da, die neue technische Geschäftsführerin der Freiburger Stadtbau. Mit dem Stadtbau-Prokuristen Dennis Voss sitzt sie inmitten einiger ihrer in Weingarten zahlreichen Mieter. Bis auf die FDP und die Freien Wähler sind alle Gemeinderatsfraktionen vertreten, die SPD besonders stark, zusätzlich mit der Landtagsabgeordneten Gabi Rolland und dem Bundestagskandidaten Julien Bender. Und dann sind da natürlich all diejenigen, die immer da und immer engagiert sind – zum Beispiel Mitglieder des Bürgervereins, dessen neuer Vorsitzender Hermann Assies von allen gelobt wird und der das Jubiläumsmotto „Willkommen“ mitsamt dem ersten von drei Veranstaltungsflyern vorstellt.

Drei Gruppen, die sich um das für den 7. Oktober geplante Fest, das Kulturprogramm und die Geschichte Weingartens kümmern, bereiten alles vor. Gleich zum Start ins Jubiläumsjahr haben Bewohnerinnen und Bewohner aus 20 der in Weingarten vertretenen 106 Nationen mit der Künstlerin Daniela Häbig unter der Leitung der Quartiersarbeit vom „Forum Weingarten“ ein Geschenk gebastelt: eine große, bunte Nana-Figur, die neue Stadtteil-Botschafterin.

Nidhal Al-Seikh hat mitgebastelt, früher im Irak war sie Chemikerin, 2000 kam sie nach Freiburg, seit acht Jahren lebt sie in Weingarten. Es ist ihr erster Neujahrsempfang, ebenso bei Karl-Friedrich Weis, der schon seit 35 Jahren hier wohnt. Eine Nachbarin hat ihn mitgebracht, sie ist beim Singkreis dabei, der an diesem Abend auftritt. Die „Bürgerinnen und Bürger initiativ für ein gutes Leben in Weingarten“ (bi4w) bringen ihre Musikinstrumente im Einkaufswagen auf die Bühne – als Symbol für die im Einkaufszentrum eingeführte Einkaufswagensicherung, einen ihrer Erfolge. Nach ihrem Ständchen mahnen sie, dass weiter über das Ost-West-Gefälle in Freiburg geredet werden müsse. Freiburg habe einige wichtige soziale Aufgaben nach Weingarten „platziert“. Klar sei: „Wir brauchen eine sozial nachhaltige Stadt, nicht über unsere Köpfe hinweg“, fordert Sylvia Freudling.

Was wird 2017 für Weingarten bringen? Mathias Staenke, der Geschäftsführer des Vereins „Nachbarschaftswerk“, ist unsicher: „Wird es in einem Jahr noch die Quartiersarbeit des Nachbarschaftswerks und des Forums Weingarten geben?“
Ein Appell an die Stadt und eine gute Bilanz
Die Stadtverwaltung will die Quartiersarbeit aller freien Träger übernehmen. Staenke betont: „Wir kämpfen dafür, dass die Stadtverwaltung den Fehler, den sie vorhat, nicht machen wird!“ Der Applaus, der da aufbrandet, dauert lange. Und nochmal, als er bilanziert, wie sich nach der „Eiszeit“ mit Konflikten im Jahr 2015 beim neuen „Runden Tisch“ die Engagierten im Stadtteil wieder zu konstruktiver Arbeit zusammengetan hätten: „Jetzt macht es wieder Freude, hier zu arbeiten.“ Auch Patrick Melcher von der katholischen Gemeinde St. Andreas, der mit seiner evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Kollegin Andrea Willmann durch den Abend führt, bedankt sich bei allen für die gute Zusammenarbeit.

Er dankt außerdem dem OB, dem er Weine von 2002 überreicht – dem Jahr, als Dieter Salomon erstmals OB wurde: „Die sind auch nach bald 16 Jahren noch bekömmlich!“ Dieter Salomon freut sich über diese Anerkennung seiner Entscheidung, 2018 wieder zur Wahl anzutreten, und über Patrick Melchers Kompliment wegen seiner bundesweiten Auftritte nach dem mutmaßlichen Mord einer Studentin durch einen jungen Afghanen: „Ich fühlte mich außerordentlich gut vertreten,“ sagt Patrick Melcher.

Er sei auch stolz auf Freiburg gewesen, entgegnet Dieter Salomon. Im Grunde seien vor allem die Medien „ausgeflippt“: „Man muss sich fragen, was ist in der Medienlandschaft los?“ In Freiburg seien viele genervt gewesen von dem Hype. Einig sind sich Patrick Melcher und der OB in der Sorge angesichts etlicher weltpolitischer Entwicklungen. Erst recht am Vorabend der Einführung eines amerikanischen Präsidenten, der, wie es Dieter Salomon ausdrückt, „alle Regeln des menschlichen Miteinanders missachtet“. Weingarten dagegen lobt er: „Hier leben viele Nationen und kriegen es toll hin.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s