bi4w – Brief an die Gemeinderäte

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bi4w – Bürgerinnen und Bürger initiativ für ein gutes Leben in Weingarten
E-Mail: bi4w@gmx.de

Freiburg – Weingarten, 07.12.2015

An die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der Stadt Freiburg,
an alle Interessierten, Betroffenen und Aktiven

 Zur Sozialarbeit in Freiburg–Weingarten

1. Zu Anlass und Ausgangslage:

– Nach gegenwärtigem Informationsstand wird der Gemeinderat der Stadt Freiburg am 15. Dezember 2015 in seiner 12. Sitzung über Eckpunkte zur Quartiersarbeit Weingarten beraten und entscheiden.

– Nach unseren Beobachtungen und (belegbaren) Kenntnissen ist die Debatte zur Quartiersarbeit in Weingarten, zum Forum Weingarten (sehr stark) durch den Bürgerverein Weingarten (mit)initiiert. Diese Interventionen folgten nicht (unbedingt) den Geboten von Fairness, Transparenz und Kooperation. Besonders die Regeln von seitens des BV angemahnter Kooperation wurde dabei – entgegen allem Anschein – von ihm selbst immer wieder nicht beachtet.

– Eine Folge dieser Initiativarbeit des BV ist, dass der Stadtteil Freiburg-Weingarten gegenwärtig – so ist das bei verschiedenen Entscheidungsträgern in der Stadt deutlich spürbar – (zu) sehr durch die Brille des Bürgervereins betrachtet wird. Dabei scheint auch manches – aus positiver Voreingenommenheit gegenüber dem BV Weingarten bzw. gegenüber BVen generell – zu resultieren.

2.1. Zu den bi4w – Bürgerinnen und Bürger initiativ für eine gutes Leben in Weingarten:

Bei den bi4w engagieren sich Menschen, die z.T. im BV Weingarten, im Forum Weingarten oder bei beiden Mitglieder sind, und solche, die in anderen Arbeitsfeldern für den Stadtteil tätig sind. Wir hatten dabei in der zurückliegenden Zeit mit beiden Akteuren in Weingarten – BV und Forum – gute und schlechte Erfahrungen, und wir haben uns deswegen entschlossen, eigentätig und unabhängig für Weingarten zu handeln.

Auch mit Akteuren aus Stadt und Gemeinderat, z.B. bezüglich unserer Initiative für Müll-ferne Spielplätze in Weingarten Krozinger Straße, haben wir schlechte und gute Erfahrungen gemacht. Auch das hat uns die Notwendigkeit zu eigenständigem Vorgehen wieder aufgezeigt und uns darin bestärkt.

2.2. Der gegenwärtige Konflikt zeigt uns wiederum diese Notwendigkeit. Nur so ist es möglich, dass wir nicht in eingespielte Konflikte zwischen Quartiersarbeit, Bürgerverein, Stadt und Stadtbau hineingezogen und dort instrumentalisiert werden. Dies scheint uns jetzt wichtig, ist doch auch der gegenwärtige Konflikt um die Neubestimmung der Arbeit des Forum Weingarten Ausdruck und Fortführung alter Konfliktlinien, jetzt noch zusätzlich durch (BV-)Initiativen befeuert.

3. Unsere Stellungnahme zur jetziger Situation und zum aktuellem Konflikt:

3.1. Wir teilen mit dem Eckpunktepapier Quartiersarbeit Weingarten (Stand 12.10.2015) die Akzentuierung auf zugehende / aufsuchende Sozialarbeit.
Doch ist diese Feststellung keineswegs nur oder auch nur vor allem in Richtung des Forum Weingarten zu treffen, sondern dies ist nach unserer Beobachtung und Erfahrung ein notwendiges Thema für alle Akteure sozialer Arbeit in Weingarten.

3.2. Wir haben uns von den Mängeln im Prozess überzeugt, wie sie von Frau Wehinger und Herrn Prof. Klus in der Stellungnahme des Forums Weingarten zum Eckpunktepapier Quartiersarbeit Weingarten (vom 13.11.2015) formuliert werden.
Wir sehen tatsächlich starke Mängel in diesem Prozess, die der hier zu bearbeitenden Sache absolut nicht gerecht werden. Eine Entscheidung in der Sache erscheint uns deswegen jetzt nicht angemessen.

3.3. Wir sehen etwa in der Formulierung „Im Konfliktfall entscheidet die Zuschussgeberin“ u.ä. im Eckpunktepapier die allzu offensichtliche Motivation von „Wer bezahlt, schafft an“ bzw. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.
Das ist nicht nur eine form- und respektlose, sondern auch eine sachlich ganz unbedarfte Ausdrucksweise. Für eine verantwortliche Sozialarbeit ist das keine angemessene (Vertrags)Grundlage. Es geht um eine dringend notwendige öffentliche Aufgabe der gesamten Stadt Freiburg im Stadtteil Weingarten. Dafür braucht es eine Sozialarbeit, die sich um die Kriterien sozialberuflicher Arbeit kümmert, nicht Investorlegitimation. Soziale Arbeit muss aus den Erfahrungen mit den konkreten Menschen vor Ort eigenverantwortlich Schlussfolgerungen ziehen können und damit auch ernsthaft unbequem werden dürfen.
Sehr befremdend ist, wie selbstherrlich der BV in seiner Stellungnahme zum Eckpunktepapier der Stadt in diesem seine eigene Rolle maximal aufgewertet haben will, und nahezu bestürzend ist, wie bedenkenlos er Formulierungen der städtischen Vorlage noch verschärft haben will. Und somit den Konflikt weiter anheizte. Sollten dazu noch städtische Stellen instrumentalisiert werden? Bürgerschaftliche Vertretung sieht anders aus.
Unsachlich erscheint auch der Hinweis des BV, dass für die Arbeit des Forum, eine Sozialeinrichtung mit Personal- und Sachkosten, städtische Gelder eingesetzt würden, während der BV ehrenamtlich arbeite. Darf mit dieser Selbstverständlichkeit schlechte Stimmung gegen das Forum gemacht werden? Hauptamtliche werden bezahlt und Ehrenamtliche eben nicht: Kann der BV sich nicht damit abfinden? Könnte dieser merkwürdige Vergleich nicht genauso von jedem BV gegen jede beliebige Sozialeinrichtung vorgebracht werden?

3.4. Wir glauben nicht, dass Sozialarbeit mit den im Papier sichtbar werdenden Abläufen und Motiven angeregt, befördert, unterstützt, ermöglicht oder – wie so gerne gesagt wird –„gesteuert“ werden kann. Vieles klingt zu einfach organisationstheoretischen (oder auch juristischen) Lehrbüchern entnommen.Die Wirklichkeit sozialberuflicher Hilfe für Menschen in einem Gemeinwesen, die Erfahrungen von Sozialberuflern und von den Menschen, die Unterstützung brauchen, wird so nicht erfasst.

3.5. Für besonders mangelhaft halten wir die Nicht- bzw. Fast-Nichtbeachtung subsidiärer Prinzipien.
Diese sollen doch gerade dazu verhelfen, dass Hilfsangebote sich an Einzelnen, an Familien oder an kleinen Gruppen orientieren, dass deren Erfahrungen und Bedürfnisse zum Ausgangspunkt sozialer Arbeit werden. Und diese obliegt dann – nach dem Prinzip der Subsidiarität – der fachlichen Kompetenz und Verantwortung des dezentralen Trägers vor Ort. Diese Wirklichkeit berührt das Eckpunktepapier nur in ganz entfernter, wenig von Erfahrungsrealität berührter Weise. Mit Subsidiarität ganz unverträglicher Dirigismus von oben bricht sich zu häufig Bahn. Eine engagierte und sicher auch häufig notwendig streitbare Sozialarbeit wird so abgewürgt.

3.6. Durch die Konfliktgeschichte ist der Fokus einseitig auf das Forum Weingarten gerichtet.
Sinnvoll und dringend notwendig ist es aber unseres Erachtens, die gesamte Sozialarbeit in Weingarten zu betrachten, ihre Arbeit zu kommunizieren und sichtbar werden zu lassen. Die Debatte kann keinesfalls sinnvoll auf das Forum Weingarten verengt werden. Das ist zu einseitig durch die Konfliktvorgeschichte geprägt. Und es wird der Leistung der Integration vieler Menschen in Stadtteil und Stadt durch die sozialarbeiterische Tätigkeit des Forum Weingarten nicht gerecht.

3.7. Wir sehen den Vorschlag in der Stellungnahme des Forums Weingarten zu einer nur „fachöffentlichen“ Diskussion kritisch.
Es braucht nicht nur eine fachöffentliche, sondern auch eine stadtteilöffentliche Diskussion zur Sozialarbeit in Weingarten; dies unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils, deren Beteiligung im Eckpunktepapier ja mehrfach gefordert wird und worüber dieses sich mit dem Forum einig ist. Diese Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger muss auch von den Autoren des Eckpunktepapiers bei dieser eigenen Aktivität ernst genommen werden.
Neben dem Bürgerverein, der in Weingarten keine auch nur annähernd repräsentative Versammlung des Stadtteils ist, sondern nur eine beliebige unter vielen anders lautenden Stimmen in Weingarten darstellt, ist es wichtig, alle interessierten, betroffenen und sachkundigen Bürgerinnen und Bürger, sowie die verschiedenen Akteure im Stadtteil öffentlich zu hören und ernst zu nehmen. Die Pluralität des Stadtteils muss dabei zum Ausdruck kommen, dessen Bild darf nicht auf zwei Akteure – BV und Forum – verengt werden.
Es ist unseres Erachtens nicht in Ordnung, die Sache zwischen Geldgeber, Stadtbau und Forum in Gremien zu behandeln. Es braucht die öffentliche Debatte mit qualifizierten Akteuren, nicht nur aus den Freiburger Hochschulen für Sozialwesen, ggf. auch von anderen Hochschulen, und vor allem mit Erfahrenen in vergleichbaren Stadtteilen anderer Städte.

3.8. Unter all den genannten Umständen bedarf es dringend eines Entscheidungsmoratoriums.
Keine Entscheidung jetzt. Es gibt ja auch keine wirkliche Zeitnot. Auf einen Einzelpunkt oder Termin hin aufgebauter Druck (wie Herr Preker aus dem Rathaus das mit tut) ist eine politisch einseitige Unterstützung, dient der Sache aber in keiner Weise, wie verschiedene sachkundige Stellen und bürgerschaftliche Akteure in Weingarten überzeugend erklären (vgl. BZ 03.12.2015). Es geht nicht um „Entscheiden auf Teufel komm raus“. Sorgfalt vor Schnellschuss. Öffentlichkeit vor internen Gremienverhandlungen.

3.9. Wir hoffen im zukünftigen Interesse des Stadtteils auch, dass der Freiburger Gemeinderat darauf achtet, dass er nicht in eine Inszenierung hinein gezogen wird; dies nach Verschiebung der BV-Rücktritts-MV um wenige Tage auf direkt nach der GR-Sitzung am 15.12.2015; was mit entsprechendem Ergebnis im Gemeinderat zu einer Konflikt verschärfenden Sieges- oder Auferstehungsfeier des alten BV-VS genutzt werden kann. Wir hoffen auf eine sachlich entspannte, souveräne, nicht terminfixierte Debatte des Gemeinderats. Der Kontext dafür ist gegenwärtig allerdings nicht günstig.

Reiner Pöhl, Beate Pöhl, Berthold Metz, Sylvia Freudling, Konrad Braun, Michael Hein, Susanne Drost, Volker Radimirsch, Harald Pawellek, Martina Pawellek.

bi4w@gmx.dewww.bi4w.wordpress.com

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bi4w – Leserbrief (29.11.2015)

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bi4w – Leserbrief  (29.11.2015)
zu „Machtfrage in Weingarten“ (BZ 15.11.2015) und zu „Unfrieden in Weingarten“ (BZ 24.11.2015)

„Machtfrage in Weingarten“ (BV/Forum) – das hat grade noch gefehlt. Haben sich zwei verhakt im Streit um Alleinvertretungsansprüche? Weingartendarsteller in Front? Der Stadtteil ist anders unterwegs: Konzerte, breite Erfahrungen im Zusammenleben, dickhäutige Gleichgültigkeit gegenüber Vorurteilen, oft abgehängt, doch mit Bewusstheit für den eigenen Wert. Seine Not im Fokus der vermeintlichen Alleinakteure? Repräsentiergehabe: Machtfrage als Karikatur. Abseits polarisierten Theaters gehen ist möglich und nicht sinnlos, bi4w zeigt es.

Fragen an die gesamte Sozialarbeit im Viertel: Oft wenig Zutrauen in die eigene Arbeit? Gelegentlich eine zu negative Sicht auf ihre Klientel? Mitleidig, leicht abwertend gegenüber den „Übrigen“, den Nicht-Klienten? Verleitet „Gemeinwesenarbeit“ dazu, den ganzen Stadtteil als Klienten zu sehen, sich mit großem Gefühl von Zuständigkeit gar „mächtig“ zu fühlen, in Betreuungshaltung der Gesamtbevölkerung gegenüber zu geraten? Kommt der Einzelklient zu kurz? Zuviel Komm-, zu wenig Bringorientierung? Trotzdem: Sozialarbeit ist notwendig.

Der BV: Bürgervertretung? Nein, ein Verein. Ein kleiner, wenig Aktive, strebt Macht an, öfter mit Scheingeltung zufrieden, rühmt sich gern eines roten Telefons zum OB, vieles gerät zur Egonummer. Wer sich initiativ mit wichtigen Akteuren überwirft: nicht nur mit dem Forum, seit 1989 sozial integrativ tätig, auch mit der Kirche, wichtiger sozialer Akteur seit Stadtteilgründung, und mit Engagierten im BV und VS – wer es sich mit so vielen verdirbt, und wer die Spaltung des BV-Gebiets in zwei Vereine mit provoziert hat: hat der kooperativ alles richtig gemacht? Zu erklärter Kooperation taugt kein Rücktrittsschreiben mit vielen Seiten Schuldzuweisung an die Anderen, aber ohne jede Silbe Selbstkritik.

Was braucht es? Offene Diskussion, kein „Im Konfliktfall entscheidet die Zuschussgeberin“, kritischen Dialog: Bedarf, Profil? Fachliche Stimmen, Erfahrungen aus anderen Städten. Keine unöffentlichen Einflüsterungen bei Stadt und GR, oft genug im Gegensatz zu öffentlichen Reden. Und am Ende ist’s frau nicht gewesen, der BV ja „nicht Vertragspartner“. Das Bewusstsein in der Stadt, jeder Stadtteil hat Funktionen für die gesamte Stadt, manche zum Vorteil, andere nicht. Weingarten hat’s mit großen sozialen Aufgaben getroffen, bei bis heute spürbar vernachlässigter Infrastruktur. Stadt und GR dürfen sich nicht verführen lassen, Weingarten einseitig durch die BV-Brille anzuschauen. Nicht nur zwei Flaschenhälse, BV und Forum, sehen, von der Stadt noch genährt, wenn sie Post von Bürgern „über den BV/das Forum“ beantwortet. Auch die BZ redet von „zwei Organisationen“. Pluralität im Stadtteil sehen, verschiedene, auch widerstreitende Vorschläge, in ange- und entspannter Debatte. Eine Stadt, die weiß, dass sie im Stadtteil mit dem schönen Namen was zu verlieren und was zu gewinnen hat (s. „Müllspielplatz“).

Reiner Pöhl, Berthold Metz, Beate Pöhl, Sylvia Freudling, Martina Pawellek, Harald Pawellek, Konrad Braun, Michael Hein, Volker Radimirsch, Susanne Drost.

bi4w – Eine erste Stellungnahme (27.11.2015)

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bi4w – EINE  ERSTE  STELLUNGNAHME
zu „Machtfrage in Weingarten“ (BZ 15.11.2015) und zu „Unfrieden in Weingarten“ (BZ 24.11.2015)

„Machtfrage in Weingarten“ (Bürgerverein / Forum) – das hat gerade noch gefehlt. Aber leider wohl keine ganz unzutreffende Überschrift. Es gehe um die „Lufthoheit im Stadtteil“. Haben sich da zwei ineinander verhakt, im Streit um vermeintliche Alleinvertretungsansprüche? Weingartendarsteller / innen in Frontstellung? Zum Glück weitab vom Leben im Stadtteil. Der ist anders unterwegs, schöne Dinge im Stadtteil sind davon wenig beeinträchtigt. Erfahrungen in breitem Zusammenleben, dickhäutige Gleichgültigkeit gegenüber Vorurteilen, oft abgehängt, und doch mit Bewusstheit für den eigenen Wert. Aber auch seine Not ist nicht unbedingt im Fokus der vermeintlichen Alleinakteure. Sich gegenseitig im Weg stehen, sich verheddern bei diesem Repräsentiergehabe: Das sind Machtfragen als Karikatur. Den Stadtteil mit seinen Aufgaben und seiner Schönheit lassen sie weit links liegen. Einen Weg abseits dieses polarisierten Machttheaters zu gehen, ist möglich und nicht sinnlos. Die bi4w haben das mehrfach gezeigt.

Die Sozialarbeit in Weingarten – und das ist eine Frage an die gesamte Sozialarbeit im Viertel, und nicht oder weniger an die Arbeit des Forum Weingarten – hat oft wenig Zutrauen in die Möglichkeiten der eigenen Arbeit, eine gelegentlich zu negative Sicht auf ihre Klientel, und äußert sich gelegentlich mitleidig, leicht abwertend gegenüber den „übrigen“ Einwohnern, der Mehrzahl der Nicht-Klienten im Stadtteil.

Verleitet das Konzept der Gemeinwesenarbeit immer wieder dazu, den ganzen Stadtteil als Klienten zu sehen, sich so mit großem Gefühl von Zuständigkeit ausgestattet, gar „mächtig“ zu fühlen, und so in Betreuungshaltung der Gesamtbevölkerung des Stadtteils gegenüber zu geraten? Kommt andererseits der Einzelklient / die Bedürftige da gelegentlich zu kurz? Gibt’s z.B. zuviel Komm-, und zu wenig Bringorientierung?

Fragen an die Sozialarbeit. Für einen kritisch begleitenden Dialog. Mit der Bevölkerung. Und auf keinen Fall im Gefühl, Sozialarbeit hier sei überflüssig.

Der Bürgerverein: Bürgervertretung? Nein, ein Verein. Ein kleiner Verein, sehr wenige Aktive. Er will seine Stimme auch dazwischen bringen, strebt gelegentlich nach Macht, ist öfter mit Scheingeltung zufrieden. Er rühmt sich gern einer direkten, roten Telefonverbindung zum OB. Und er ist versucht, mit (Pseudo)Pfunden zu wuchern, vor allem wohl repräsentieren zu wollen. Vieles gerät leider zur – die Sachen hindernden – Egonummer von Akteuren.

Wer sich, wie der BV, initiativ mit wichtigen Akteuren im Stadtteil überwirft: nicht nur mit dem Forum, das seit 1989 sozial integrativ im Stadtteil tätig ist, sondern etwa auch mit der Kirche, einem wichtigen sozialen Akteur seit Stadtteilgründung, und nicht zuletzt und regelmäßig mit gutwilligen und engagierten Akteuren im BV, und dort z.B. einen doch beachtlichen Verschleiß an Vorstandsmitgliedern hat – wer es sich also mit so vielen verdirbt, und wer die Spaltung des Gebiets des Bürgervereins in zwei Vereine mit provoziert hat, u.ä. … – kann der oder die kooperativ alles (oder zumindest das Wichtigste) richtig gemacht haben? Hat der seinen Auftrag erfüllt oder nicht vielmehr versagt? Angesichts des öffentlich erklärten Ziels des BV, im Stadtteil kooperieren und nach gemeinsamen Lösungen suchen zu wollen, könnte es bei ihm doch auch möglich werden, in der Umsetzung den Anderen etwas näher zu kommen?! Da braucht es keine Rücktrittsschreiben mit vielen Seiten Schuldzuweisung an die Anderen, aber ohne jede Zeile Selbstkritik.

Was braucht es? Und was nicht?

– Eine offene und öffentliche Diskussion über Sozialarbeit, engagierte und freie Sozialarbeit, ohne Maulkorb, auch gegenüber Stadt, Stadtbau, Stadtverwaltung und Gemeinderat; und Sicherheit auch vor Missdeutungen vermeintlicher Vertreter/innen der Bürgerschaft.

Dann braucht es auch Offenheit der Sozialarbeit für kritische Begleitung. Über Bedarf und Profil. Dazu notwendig sind Stimmen von innen und außen, fachliche Stimmen, Erfahrungen aus anderen Städten mit vergleichbaren Aufgaben.

– Keine unöffentlich heimlichen Einflüsterungen bei Stadtverwaltung und Gemeinderäten. Dabei stehen diese Einflüsterungen oft deutlich genug im Gegensatz zu vorherigen öffentlichen Reden. Und natürlich – am Ende ist’s frau nicht gewesen: nein, der Bürgerverein sei ja „nicht Vertragspartner“. Es braucht keine eitel ängstliche Bedeutungseroberung von wem auch immer, nicht zwingend eine politische Karriere aus Weingarten. Es reicht nicht, Egonummern abzuliefern. NB: Positive Erfahrungen mit Bürgervereinen in anderen Stadtteilen sollten nicht automatisch übertragen werden.

– Es braucht bei der Stadtverwaltung das Bewusstsein, dass jeder Stadtteil Funktionen für die gesamte Stadt übernommen, sie zugeteilt bekommen hat oder ihm zugewachsen sind. Manche zum eigenen Vorteil, sie bringen z.B. Arbeitsplätze, andere nicht. Den Stadtteil Weingarten hat es getroffen mit heute großen sozialen Aufgaben und Lasten, und dies bei zu Gründung des Stadtteils und lange danach stark vernachlässigter Infrastruktur, was bis heute spürbar ist. Kein leichter Rucksack, mit dem der Stadtteil Weingarten für Freiburg unterwegs ist. Da braucht es eine Stadtverwaltung und Gemeinderäte, die dazu stehen, und die Widerstand leisten, wenn das mit einfachen, manchmal oberflächlichen Vergleichen wegzureden versucht wird.

– Es braucht eine Stadtverwaltung und Gemeinderäte, die sich nicht verführen lassen, Weingarten einseitig zu sehen: positiv voreingenommen durch die Bürgervereins-Brille. Eine Stadtverwaltung, die sich nicht verführen lässt, die hier notwendige Sozialarbeit unterzubewerten, und die selbstbewusst genug ist, nicht mit Maulkorb oder gängel-motivierter Evaluation zu hantieren, sondern offen mit den Weingartnerinnen und Weingartnern zu diskutieren.

– Und eine Stadt, die sich mit ihren städtischen Institutionen Aufgaben ernsthaft stellt, z.B. dem Problem der Kinder am sog. „Müllspielplatz“. Die weiß, dass es in dem Stadtteil mit dem schönen Namen was zu verlieren und auch was zu gewinnen gibt.

– Es reicht nicht, in Weingarten nur in zwei Flaschenhälse, BV und Forum, zu gucken und nur das zu sehen, was aus diesen zwei engen Flaschenhälsen aufsteigt, Unangenehmes oder Wohliges. Kein Stieren auf zwei (oft genug Schein)Akteure. Diese Flaschenhalsnummer wird von der Stadtverwaltung noch genährt, z.B. indem sie immer wieder Post von Bürgern „über den Bürgerverein“ oder „über das Forum“ beantwortet. In diese Falle tappt auch die BZ, spricht sie doch von „zwei Organisationen, die sich als Stadtteilvertretung begreifen“: in welchem Stadtteil gibt’s nur zwei Stimmen, die gehört werden? Ist hier aber Dauersound.

– Es braucht Pluralität im Stadtteil: Verschiedene, auch widerstreitende Vorschläge für Weingarten, in angespannter und entspannter Debatte. Tätigkeit und Erfolg von Initiativen müssen bei diesen bleiben. Sich auf aufkommende Initiativen zu stürzen, diese – vor allem deren Erfolge – an sich zu reißen, ihre Ergebnisse als eigene zu verkaufen (leider im doppelten Sine des Wortes) – das braucht es nicht.

„Machtfrage in Weingarten“? Wie viele, leider nicht ganz abwegige Assoziationen stellen sich bei so vielen Leuten hier ein …. Gelegenheit für das Rathaus zur Retourkutsche für‘s Mitorganisieren der Anti-Heuschrecken-Initiative gegen den Verkauf Weingartens? Besitzstandswahrung statt Neudenken? Rücktrittsankündigung als dramatisch inszenierte Vertrauensfrage, mit kurzfristiger Terminverschiebung der Rücktritts-MV um ein paar Tage auf direkt nach der Gemeinderatssitzung zum Thema, dann als Sieges- und Auferstehungsfeier? … Was auch immer.

Wo muss man anfangen, was außen vor lassen … für eine ehrliche und offene Debatte? Notwendig ist’s, mit der gesamten Sozialarbeit in Weingarten wieder den notwendigen Kern ihrer sozialen Aufgaben zu reflektieren. Kein Grund zu Diskreditierung von Hauptamtlichen. Dieses Nachdenken darf nicht unter Existenzbedrohung stattfinden. Und dieses Nachdenken ist für niemanden ehrenrührig. Sondern eine gute Aussicht.

Reiner Pöhl, Berthold Metz, Beate Pöhl, Sylvia Freudling, Martina Pawellek, Harald Pawellek, Konrad Braun, Michael Hein, Volker Radimirsch, Susanne Drost.   27.11.2015