Brief an Bürgermeister Haag vom 05.07.2015

bi4w – Bürgerinnen und Bürger initiativ für ein gutes Leben in Weingarten
E-Mail: bi4w@gmx.de
Freiburg – Weingarten, 05.07.2015

Herrn
Bürgermeister Prof. Dr. Martin Haag
Stadtentwicklung und Bauen, Tiefbau mit
Verkehrsplanung, Stadtgrün, Gebäudemanagement

Per Mail: dez-V@stadt.freiburg.de

Kinderpielplatz an der Krozinger Straße 52 in Freiburg – Weingarten
(sog. „Müllspielplatz“);

Sehr geehrte Herr Bürgermeister Prof. Dr. Haag,

vielen Dank für Ihren Brief vom 26.06.2015 an Herrn Berthold Metz von bi4w, mit dem Sie auf unserer Schreiben vom 25.05.2015 antworten.

Auf zwei Punkte Ihres Schreibens wollen wir hier noch einmal eingehen:

1. Sie schreiben, dass das Ihnen unterstellte „Garten- und Tiefbauamt sich allerdings einen Müllplatz“ an der von uns vorgeschlagenen Stelle „nicht vorstellen (kann)“.
Unsere Fragen hierzu:

1.1. Kann sich das Garten- und Tiefbauamt einen Müllplatz inmitten von zwei Spielplätzen weiter vorstellen?
Dazu erlauben wir uns folgenden Hinweis: Sehr wichtig ist es uns, zu bedenken, dass es nicht nur um Müll geht. Es geht auch und noch mehr um die bisherige Missachtung der Kinder in Weingarten!
Prof. Blinkert, der soeben mit anderen seine Studie „Raum für Kinderspiel!“ im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes über Aktionsräume von Kindern in verschiedenen Städten veröffentlicht hat, schrieb uns am 30. Mai, nachzulesen auf unserer Homepage https://bi4w.wordpress.com/2015/06/09/prof-baldo-blinkert-sauberkeit-ist-das-mindeste-neue-studie/

„Sehr geehrte bi4w,
ich bin entsetzt, wie wenig dafür getan wird, dass Kinder in Weingarten über einen zumindest sauberen Spielplatz verfügen – dabei ist Sauberkeit das Mindeste, wichtig sind auch andere Aspekte, die Kinder zu einem kreativen Spielen ermuntern und ihnen das auch ermöglichen. Wir haben gerade eine Studie abgeschlossen, in der wir zeigen konnten, wie wichtig das Wohnumfeld für die Lebensqualität und für die Entwicklungschancen von Kindern ist. Wir konnten auch zeigen, dass ein für Kinder günstiges Wohnumfeld nicht zufällig in den Städten verteilt ist. Es gibt den bekannten Selektionseffekt: Sind die Ressourcen der Familie ungünstig, dann reproduziert sich das in einer für Kinder schlechten Aktionsraumqualität. So scheint das auch in Weingarten zu sein. Ich wünsche Ihnen Standfestigkeit und Erfolg bei Ihrem Engagement.
Herzliche Grüße Baldo Blinkert
On Fri, 29 May 2015 19:05:11 +0200
bi4w <bi4w@gmx.de>
Prof. Dr. Baldo Blinkert
Uni Freiburg – Institut für Soziologie, Rempartstr. 15, 79085 Freiburg
internet: http://www.soziologie.uni-freiburg.de/personen/blinkert
Freiburger Institut für angewandte Sozialwissenschaft (FIFAS)
Erasmusstr. 16, 79098 Freiburg“

Dem haben wir nicht viel hinzuzufügen. Wir hoffen sehr auf ein Gespräch und Entscheidungen, die diesen Punkt ernst nehmen.
Da das GuT (wie wir von anderen Projekten wissen) immer wieder auch mit Ästhetik argumentiert, gehen wir sehr davon aus, dass der bisherige Standort des Müllplatzes inmitten von zwei Spielplätzen für das GuT vollkommen undenkbar ist.

1.2. Wo kann sich das GuT einen Müllplatz für das Haus Krozinger Str. 52 vorstellen?
Wir hoffen sehr, dass – angesichts der immer wieder genannten zwei Alternativen: am bisherigen Ort oder am von uns vorgeschlagenen Ort – Ihr oben zitierter Satz keine Vorentscheidung des GuT oder Ihrerseits beinhaltet. Wir bitten Sie sehr dringend, dafür zu sorgen, dass hier eine offene und ernsthafte Debatte geführt werden kann.

2. Sie schreiben, dass „die Flächen östlich der Krozinger Straße 52 für Kinderspielplatz und Kleingärten vorgesehen (sind). Bei einer anderen Nutzung müsste ein Befreiungsverfahren beim Baurechtsamt und unter Umständen sogar ein Bebauungsplanänderungsverfahren eingeleitet werden.“

Dazu erlauben wir uns folgende Anmerkung:
Zuerst verweisen wir auf den in der letzten Wochen häufig zitierten Satz der Bundeskanzlerin: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Und hierfür haben Sie, Herr Bürgermeister Dr. Haag, in der vergangenen Woche selbst ein sehr gutes Beispiel gegeben, wie wir heute in der Zeitung über Ihren Einsatz für Carsharing lesen können:

„(Es) gab deutschlandweit bislang kein Verfahren für eine Kommune, öffentliche Verkehrsflächen zu entwidmen und in private Plätze umzuwandeln. Deswegen hatte sich die Stadt Freiburg einen Trick überlegt und einen neuen Bebauungsplan aufgestellt, der für die gesamte Stadt gilt und die gewünschten Flächen nun freigibt. ‚Clever gemacht’, fand das Verkehrsminister Hermann.“ (Der Sonntag 05.07.2015)

Im Vergleich dazu scheint uns die Sache an der Krozinger Str. 52 eine vergleichsweise kleine Übung. Und – ist es für Sie keine verlockende Vorstellung, dass (vielleicht nicht ein Minister, sondern) die Kinder Weingartens schlussendlich sagen: „Clever gemacht, Herr Bürgermeister Haag.“

Natürlich sind wir sehr gerne bereit, in jeder uns möglichen Weise mitzuwirken.

Mit freundlichen Grüßen

Berthold Metz
(Schulstr. 39, 79111 Freiburg)
Konrad Braun und Sylvia Freudling
(Katharina-von-Bora-Str. 26, 79114 Freiburg)
u.a.

Advertisements

Spielen mit Blick auf den Müllplatz. (Leserbrief zum „Sonntagsfrühstück am Müllspielplatz“, BZ 23.7.15)

Ich nehme Bezug auf den am 21.07.15 in der BZ-Freiburg-Stadt auf Seite 28 veröffentlichten Artikel über die Situation zweier Spielplätze in Freiburg Weingarten.

Viele Eindrücke hat es bei mir hinterlassen, dass Protestfrühstück vor dem Hochhaus Krozinger Strasse 52. Es waren eigentlich gute Rahmenbedingungen anzutreffen: Leckerer Kaffee, frische Brötchen, angenehme Temperaturen, freundliche Menschen und dazu passende schöne Livemusik. Daneben einen interessanten Abenteuerspielplatz und ziemlich nahe einen Spielplatz für die Kleineren. Doch halt etwas störte gewaltig, ja es machte mich fassungslos: Stinkender Müll, aufgerissene Mülltüten, der Unrat teilweise verstreut und überladen und das direkt zwischen zwei Spielplätzen. Befremdlich empfand ich offen zugängliche Müllhäuschen, dem gegenüber jedoch ein abgeschlossener Abenteuerspielplatz. Umgekehrt wäre es für die Kinder sicher besser, dachte ich. Als Vater inzwischen erwachsener Töchter stimmte mich das sehr traurig weil mir bewusst wurde mit welchen Zuständen die Kinder in ihrem Wohnumfeld konfrontiert werden und was sie gezwungenermaßen als Standard akzeptieren müssen. Der Soziologe Professor Baldo Blinkert erforschte die Aktionsräume von Kindern in 5 Städten und kam zu dem Ergebnis, dass Aktionsräume für die Lebensqualität der Kinder und deren Entwicklung ausgesprochen wichtig und prägend sind. Die Kinder sind unsere gesellschaftliche Zukunft. Sie sollen lernen Verantwortung zu übernehmen und sich als starke Persönlichkeiten in der Gesellschaft entwickeln. Dafür brauchen sie aber angemessene Rahmenbedingungen die in dem beschriebenen Umfeld nicht gegeben sind.

Liebe Verantwortlichen der Freiburger Stadtbau und der Kommunalpolitik: Sorgen sie dafür, dass der Müllplatz schnellstmöglich umgesetzt wird und aus dem Blickfeld der Kinder verschwindet!

Reiner Pöhl, Freiburg-Weingarten