Brief an Bürgmeisterin Stuchlik vom 16.05.2015

bi4w – Bürgerinnen und Bürger initiativ für ein gutes Leben in Weingarten

E-Mail: bi4w@gmx.de

Freiburg – Weingarten, 16.05.2015

Kinderpielplatz an der Krozinger Straße 52 in Freiburg – Weingarten

(sog. „Müllspielplatz“);

Ihr Schreiben vom 22.04.2015

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Stuchlik,

wir hatten in unserer Mail an Sie vom 31.03.2015 „sehr ernsthaft auf einen baldigen konstruktiven Dialog und Antwort“ zum Kinderspielplatz an der Krozingerstr. 52 in Freiburg-Weingarten gehofft.

Auf dessen absolut untragbaren Zustand haben wir seit September 2014 bei verschiedensten Gelegenheiten hingewiesen und diesen durch Fotos immer wieder dokumentiert: https://bi4w.wordpress.com/category/weingarten-mullspielplatz/

Doch unsere Hoffnung scheint vergebens. Oder hat dieser Dialog mit Ihrem Schreiben vom 22.04.2015 wirklich begonnen? Daran zweifeln wir sehr:

  1. Zur Kommunikation:

Sie schreiben am 22.04.2015, wir hätten auf unser ursprüngliches Schreiben vom September 2014 „von Seiten der ASF GmbH sowie des OB-Büros eine Antwort“ erhalten.

Doch was haben wir wirklich erhalten, welche Kommunikation gab es inzwischen?

– Vom OB-Büro am 11.09.2014 wenige Zeilen: „Hinweise auf Vermüllung des Spielgeländes erhalten … Stadtbau und Dienststellen sind gebeten, für Sauberkeit Sorge zu tragen … Fraktionen und Einrichtungen erhalten Nachricht.“ Das war’s, später kam nichts mehr.

– Von der ASF: Am 10.09.14 eine automatische Abwesenheitsmeldung von Herrn Hipp, am 24.09. die Bitte von Herrn Bootz, eine veröffentlichte E-Mail-Adresse auf unserer Homepage zu korrigieren, am 26. 09. gleich noch eine Mahnung deswegen und am 01.10. noch mal eine (diesen Punkt abschließende) Mail mit der Ankündigung, „in Kürze eine Stellungnahme von Frau Bürgermeisterin Stuchlik“ zu erhalten.

– Dann auf unsere erneute Anfrage (ein halbes Jahr später) an Sie vom 31.03.2015 am 02.04.2015 durch Frau Rasem die Ankündigung Ihrer Antwort, wiederum: „in Kürze“.

– Ihre missglückte Vertretung durch Frau Rasem am 03.03.2015, der nach Aufklärung auch keine Nachfrage in der Sache mehr folgte.

– Mit der Vertreterin des Kinderbüros war nach Versand unseres ursprünglichen Schreibens vom September 2014 kein Termin für eine Ortsbegehung zu einer Zeit zu vereinbaren, die auch nur einem Berufstätigen in unserer Gruppe möglich gewesen wäre. Es entstand leider auch der Eindruck, dass da ein nachdrücklicheres Interesse in der Sache notwendig gewesen wäre. Anlässlich einer öffentlichen Veranstaltung am 11.09.2014 im Haus der Jugend mit Prof. Blinkert äußerte sie zum Anliegen unseres Schreibens, dass die Kinder Weingartens – nach ihrer Befragung mittels Kinderdetektiven – zu einem sehr hohen Prozentsatz mit ihrem Stadtteil zufrieden seien (nach unserer Erfahrung kennen viele Kinder hier nicht wirklich etwas anderes).

– Dann kam am 22.04.2015 der von Ihnen unterzeichnete Brief, mit dem Vermerk „Ihnen schreibt Herr Bootz“. Herr Bootz schreibt uns, dass die ASF, d.h. in diesem Fall er selber, uns schon geschrieben habe (Inhalt s.o.). Er beschreibt dabei nur die Seite der realen und z.T. auch der künftig beabsichtigten Müllbeseitigung. Die Hauptsache aber, die Lage der Kinder Weingartens, kommt mit keiner Silbe vor. Das werfen wir Herrn Bootz nicht vor, die Organisation der Müllbeseitigung ist ja seine Aufgabe. Als eine Antwort der Bürgermeisterin für Umwelt, Jugend, Schule und Bildung, zu deren Aufgaben beide hier zur Frage stehenden Themen – Umwelt und Kinder – gehören, können wir das allerdings nicht erachten.

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Stuchlik, Ihr oben eingangs erwähnter Satz suggeriert, wir hätten (höchstrangig!) Antwort bekommen und die Sache sei damit ok. Denken Sie, dass die beschriebene Kommunikation zusammengenommen eine angemessene Art des Umgangs mit der Sache ist? Wir jedenfalls sind mit dieser Kommunikation in keiner Weise zufrieden. Wir denken, dass diese viel einfacher und sachlich substantiell stattfinden kann und muss. Und ganz haben wir die Hoffung noch nicht aufgegeben.

  1. Zu Inhalt und Zungenschlag Ihrer Bemerkung: „In direkter Nähe zum Abfall-Sammelplatz des Gebäudes liegt ein städtisches Spielgelände, dessen Zweck und optische Qualität durch einen achtlosen Umgang von Anwohnern mit Abfällen beeinträchtigt werden – so Ihre Befürchtung.“

„… achtlose(n) Umgang von Anwohnern mit Abfällen“ ­– unsere vorsichtige Anfrage: geht’s da etwa um die „Weingartner“? Obwohl gegen Ende Ihres Briefes neben Anwohnern auch von „Unbekannten“ (zu Recht denken Sie wohl an beobachtete fremde Müllablagerer) und von „anonym abgeladene(n) Abfälle(n)“ die Rede ist ­– passt Ihre Bemerkung nicht zu gut in die Wolke Freiburger Vorteile, hat sie nicht ein zu deutlich riechendes, diskriminierendes „G’schmäckle“?

Jedenfalls, unsere Befürchtung und große Sorge sind nicht die Weingartner und ihr „achtloser Umgang … mit Abfällen“.

„Wäre der Spielplatz in Herdern, kein Müll wäre dort mehr zu sehen – da bin ich sicher“ (so der Stadtrat weiter). Ja, unbedingt! In Herdern hätte den Müllplatz niemand an/in den Kinderspielplatz gebaut! Herdern’s Mütter hätten einen Aufstand gemacht. In Weingarten hingegen ist man diesen scheinbar leichten Weg gegangen und hat es tatsächlich gemacht: Man hat vor Jahren den Müllplatz wirklich von der Nähe des Hochhauses Krozingerstr. 52 an/in den Kinderspielplatz verpflanzt! Einen Fürsprecher für die Kinder scheint es damals wohl nicht gegeben zu haben – auch nicht bei den Trägern der beiden Spielplätze Stadtbau und Forum Weingarten.

Und falls man schon davon ausgehen sollte, dass in Weingarten müllmäßig ein notwendig ordentliches Verhalten nicht richtig zu erwarten ist, erscheint es umso unverständlicher, dass der Müllplatz von 122 Haushalten in den Spielplatz verpflanzt wurde! Man erwartet seitens Stadt und Stadtbau kein ordentliches Verhalten der Weingartner und setzt diese dann zugleich noch einem Extra-Stresstest aus, in ihrer angeblich schwachen Disziplin!

Zudem wäre es eine interessante Probe, wie es in Herdern oder wo auch immer aussähe, wenn 122 Haushalte ihren Müll auf so engem Raum wöchentlich lagern müssten! Und es stellt sich die Frage: Würden die Leute in Herdern auch einen Riesenanlauf machen müssen wie wir jetzt, um in dieser Sache von Stadt und Stadtbau Hilfe zu bekommen?

Sonntags – dann also wenn besonderer Bedarf an Spielmöglichkeiten besteht – ist der Müll am sichtbarsten, vor der Abholung am Montag. Ein Spaziergang am Ostersonntag durch Weingarten machte Folgendes deutlich: Es gibt eine Menge Hochhäuser und Wohnanlagen, wo der Müll ordentlich verpackt ist: Z.B. in Bugginger 2, Bugginger 50, Binzengrün 9 – die haben auch alle ordentliche, ausreichende (!), neue Unterstellmöglichkeiten; ebenso einige Wohnanlagen in der Krozinger Straße. An einer guten Zahl von Müllhäuschen wurde aber sehr deutlich, dass die Müllgefäße zu klein sind, die Zahl zu gering und die Häuschen gelegentlich auch zu wenig fassen können; so ist es dort unvermeidlich, dass Müll nur vor den Türen abgestellt werden kann. – Es scheint, dieses Problem trifft auch auf das Müllhäuschen von der Krozingersgstr. 52 (am Spielplatz) zu. Es war übervoll! Fotos gerne bei Bedarf.

Es scheint uns durchaus kein „Weingarten-Blues“ und kein Diskriminierungsgejammer, aber: Kann es nicht doch sein, dass eine gewisse Trägheit in der umgehenden Beseitigung dieses untragbaren Zustandes auch in der Tatsache liegt, dass dieser „Müllspielplatz“ im Stadtteil Weingarten liegt?

(Und nebenbei: Auch 23 Haushalten in der Katharina-von-Bora-Straße wurde beim Einzug vor gut 10 Jahren zuerst von der Stadt verweigert, drei Mülltonnen zur Müll-Trennung zur Verfügung zu stellen. Warum? „Das machen wir in Weingarten nicht.“ Erst nach massivem Auftritt von Nachbarn aus der Siedlung wurde das korrigiert. Sie ist lästig – diese Vorab-Dauer-Unterstellung bzw. -Einstellung gegenüber Weingartnerinnen und Weingartnern auch seitens Stadt / Stadtbau, auf deren Basis dann immer weiter gehandelt oder immer wieder auch nicht gehandelt wird.)

  1. Zur Bezeichnung „Müllspielplatz“:

Diese Bezeichnung scheint Ihnen (so entnehmen wir Ihrem Brief) nicht richtig zu gefallen. Das können wir verstehen. Uns gefällt das auch nicht. Doch leider ist es eine zutreffende Benennung, Gesundbeten hilft nicht:

Am 05.04.2015, am Ostersonntag etwa sah es auf diesem sog. „Müllspielplatz“ besonders trostlos aus, Fotos: https://bi4w.wordpress.com/2015/04/07/05-05-2015-ostersonntag-am-mullspielplatz/. Kinder, ca. 10- bis 12-Jährige, holten aus dem Müll Gegenstände, warfen sie bei verschlossener Tür über den Zaun des Abenteuerspielplatzes, um sie dort im Spiel zu verwenden. Das zeigt (1.) besonders deutlich: die beiden Dinge (Spielplatz und Müllplatz) müssen getrennt gehalten werden, und (2.) es gibt einen Bedarf an dieser Spielmöglichkeit (selbst wenn sie verschlossen ist). Wir hoffen, dieser Spielplatz bleibt erhalten! Der Müllplatz muss weg, nicht der Spielplatz. Und – die Kinder sollen auch in Weingarten nicht mehr so nah am Dreck spielen müssen.

Auch wir wollen gerne bald eine andere Bezeichnung für diesen Weingartner Spielplatz benutzen: Wann wird das möglich sein?

  1. Die Hauptsache:

Was ist wichtig an der Sache? Wir waren immer wieder überrascht, dass sowohl in ersten Reaktionen auf unsere Initiative wie auch später häufig auf der Ebene Müll reagiert wurde. In vielen Mails und Gesprächen machten wir immer wieder darauf aufmerksam, dass es uns nicht (zuerst) um das Thema Müll geht, sondern um die Missachtung der Kinder.

Es ist nicht unwichtig das zu sagen, denn leider bewegen sich viele Gespräche konkret auf der Ebene: Welche Müllentsorgungsmöglichkeiten gibt es technisch, finanziell, was ist für die Bewohner der Krozingerstr. 52 praktisch, was geht logistisch usw. – doch dies alles ist nicht das (erste) Thema, dabei gerät leicht das eigentliche Ziel, die Hauptsache aus dem Auge:

In welcher Umgebung werden die Weingartner Kinder künftig spielen? Werden in Zukunft auch die Kinder in der Krozinger Straße nicht mehr an einem Müllplatz spielen müssen? Was soll das ganzes Gerede von Bildungschancen u.ä., wenn es absolut notwendig ist, dass wir uns für diese einfachste Selbstverständlichkeit so ins Zeug legen müssen?

Leider bewegt sich Ihr Antwortschreiben, das Sie zur Ausfertigung an den Pressesprecher der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung gegeben haben, noch genau auf der Ebene Müll. Fürchten Sie nicht, dass Sie sich so als Gesprächspartnerin für die Angelegenheiten der Kinder vollkommen aus dem Spiel nehmen? Werden wir in Zukunft inhaltlich auf der Ebene Kinder miteinander sprechen können?

  1. Zu unserem Lösungsvorschlag:

Wir haben Elemente für eine Lösung und einen Lösungsvorschlag ins Gespräch gebracht:

– Ganz oben steht nach allem Gesagten und bisher in verschiedensten Gesprächen Eruierten: Der Müllplatz muss von der bisherigen Stelle weg.

– Auch ein (nach dem „Neuen Müllkonzept Weingarten“) häufiger geleerter Müllplatz direkt zwischen zwei Spielplätzen ist und bleibt ein Müllplatz direkt zwischen zwei Spielplätzen. Ein „Müllspielplatz“.

Zudem wäre es unwürdig, die Sache der Weingartner Kinder sozusagen als Brosamen oder als Abfallprodukt vom Tisch des Neuen Müllkonzepts Weingarten fallen zu lassen und sie nicht einer eigenen Betrachtung zu würdigen.

– Kosmetische Korrekturen an der jetzigen Stelle sind keine Lösung.

– Doch wir verlangen, dass sich endlich kompetente Vertreter dieser oder einer ähnlich geeigneten Berufsgruppen damit beschäftigen. Es kann nicht sein, dass wir mit Hinweisen, die Eigentumsverhältnisse seien zu kompliziert, abgespeist werden, eine Verlegung blockiert und für Sichtblenden und ähnliche kosmetische Operationen als angeblich einziger Verbesserungsmöglichkeit geredet wird.

Unsere eigenen Recherchen beim Technischen Rathaus / Grundbucheinsichtsamt haben ergeben, dass die Eigentumsverhältnisse nicht kompliziert sind und die Stadtbau voll handlungsfähig ist.

– Unser Lösungsvorschlag:

Am westlichen Rand des neu gebauten Radwegs, beginnend etwas nach dem nördlichen Ausgang aus der neuen Unterführung (unter der Opfinger Straße) bis zum Ende des Stadtbaugrundstücks bzw. bis zur Grenze des Grundstücks der Stadt (auf dem der Abenteuerspielplatz liegt) können entlang dieses Radwegs Häuschen für Müll aufgestellt werden: ansprechend, blickdicht, belüftet und in ausreichender Größe wie in der Bugginger 2, Bugginger 50 und im Binzengrün 9. Platz ist hierfür wohl genug vorhanden.

Die Häuschen wären für die Bewohner der Krozinger Str. 52 gut erreichbar und gleichzeitig weit genug von diesem Hochhaus entfernt, um den Müll nicht direkt vor der Nase zu haben (zumindest wären diese Müllhäuschen weiter vom Hochhaus Krozingerstr. 52 als das Müllhäuschen der Bugginger Straße 2 vom Hochhaus Bugginger Straße 2 oder von den Häusern der benachbarten Siedlung Katharina-von Bora-Staße entfernt ist).

Soziale Kontrolle durch die Bewohner der Krozingerstr. 52 (ggf. auch technische Kontrolle mit Kameras) wäre dort sehr gut möglich. Der Müll würde nicht wie bisher auf den Spielplatz (vom Hochhaus fast unsichtbar) verschoben werden.

Die Wiese zwischen Radweg und dem Haus Krozinger Straße 52 könnte trotzdem für Freizeitaktivitäten genutzt werden (für Grillen, Spielen u.a.) wie es etwa in Binzengrün 9 der Fall ist, wo solche Häuschen (ansprechend, blickdicht, belüftet) für Fahrräder und Müll ebenfalls auf der Wiese stehen.

Da wir keine Landschaftsplaner oder Architekten sind, beanspruchen wir selbstverständlich nicht, dass unser Vorschlag der beste und einzige ist. Für gründlich überlegt halten wir ihn allerdings schon.

Werden wir bald über eine angemessene Lösung reden können?

Eine Stadträtin hat uns Ihre (durch Frau Urbanke übermittelte) E-Mail vom 22.04.2015 weitergeleitet. Dieser Weiterleitung, nicht Ihrer E-Mail an uns, entnehmen wir, dass Sie Ihren Brief – der diesen Adressaten gegenüber leider zu Unrecht den Anschein erweckt, da gehe etwas voran – auch an Rathaus-Fraktionen verschickt haben. Deshalb erlauben auch wir uns, den Mitgliedern dieses Verteilers diesen Brief zukommen zu lassen; des Weiteren den Mitgliedern des Kinder- und Jugendhilfeausschusses (s.o. Punkt 4: „Die Hauptsache“) sowie den Mitgliedern des Bau- und Umlegungsausschusses (da für eine Lösung wohl bauliche Maßnahmen erforderlich werden); zudem an einige weitere Akteure in der Sache, mit denen wir im Kontakt stehen.

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Stuchlik, wir freuen uns auf eine Antwort – von Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Konrad Braun • Sylvia Freudling • Bertold Metz • Martina Pawellek • Hildegund Landenberger • Beate Pöhl • Reiner Pöhl • Carina Pöhl • Elena Pöhl • Dr. Monica Dragomir • Michael Zwick • Barbara Zwick

 

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